Die Balint-Gruppen-Arbeit geht auf Michael Balint zurück, der Mitte des letzten Jahrhunderts „Fallkonferenzen“ mit Sozialarbeiter*innen und Ärzt*innen einführte. Heute versteht man darunter in erster Linie Arbeitsgruppen von Ärzt*innen, die sich unter der Leitung einer Supervisor*in regelmäßig treffen, um über
„Problempatient*innen“ aus ihrer Praxis zu sprechen. Das Modell ist als Supervisionsmethode auch in anderen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesen anerkannt.

Bei dieser Methode liegt die Idee des freien Berichts und der freien Assoziation zugrunde, sie ist für Gruppen von etwa fünf bis zehn Personen geeignet. Eine Person aus der Gruppe übernimmt die Moderationsrolle. Die Moderator*in achtet auf Struktur, Zeit, wertschätzenden Umgang etc. Die anderen Personen übernehmen die Rolle von „Berater*innen“. Die Gruppe sitzt im Halbkreis der Fallbringer*in und der Moderator*in gegenüber.

Das Vorgehen unterliegt einem festen Ablauf, der unbedingt eingehalten werden sollte: Die Fallbringer*in schildert ihren Fall bzw. Anliegen aus der Praxis.

Alle hören zu.

Dann schweigt die Fallbringer*in, während alle anderen frei assoziieren: Bilder, Hypothesen, Ideen, sinnvolle oder auch unsinnig scheinende Aspekte, alles gehört dazu. Nach einer gewissen Zeit fasst die Moderator*in die Assoziationen zu möglichen Deutungen und Erklärungen zusammen. Nun nimmt die Fallbringer*in zu alldem Stellung.


Ablauf Balint-Gruppen-Modell

1. Problemdarstellung
Fallschilderung bzw. Schilderung des Anliegens durch
Fallbringer*in

2. Fragerunde
Die Teilnehmer*innen stellen Fragen, um mehr Information über
den Fall zu bekommen

3. Assoziationsrunde
Die Teilnehmer*innen melden an die Fallbringer*in Assoziationen, Bilder, Gefühle etc., die bei ihnen durch die Fallschilderung auftauchen (noch keine »kopfmäßigen«
Erklärungen oder Theorien an dieser Stelle!)

4. Kurze Stellungnahme
Die Fallbringer*in kommentiert kurz diese Assoziationen, Bilder, Gefühle etc.

5. Hypothesenrunde
Die Teilnehmer*innen formulieren Hypothesen (mögliche
Erklärungen, Theorien etc.) zum Fall

6. Kurze Stellungnahme
Die Fallbringer*in kommentiert kurz die Hypothesen (z. B. nimmt Stellung zu manchen Aussagen, klärt Missverständnisse, sagt was neu und interessant ist, etc.)

7. Lösungsrunde
Die Teilnehmer*innen formulieren Lösungsideen zu dem
Anliegen / zum Fall

8. Abschluss
Abschlussstatement durch Fallbringer*in, Fallbringeri*n bedankt sich

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